„Gold des Münsterlandes“ in Billerbeck und den Baumbergen
Wer auf Billerbeck zufährt, blickt voll Verwunderung auf den Ludgerus-Dom. Dieses markante Gebäude aus Baumberger Sandstein prägt die Stadt wie kein anderes.
Der Baumberger Sandstein wird oft als das „Gold des Münsterlandes“ bezeichnet. Besonders in Billerbeck prägt er seit Jahrhunderten das Stadtbild und ist aus dem Ortskern kaum wegzudenken. Kirchen, historische Gebäude, Mauern, Wege, Grabmale und Skulpturen aus diesem regionalen Naturstein verleihen der Stadt ihr unverwechselbares Erscheinungsbild und verbinden Architektur, Handwerk und Landschaft auf besondere Weise.
Seine Ursprünge reichen in die Oberkreidezeit zurück. Vor rund 80 Millionen Jahren bedeckte ein flaches Meer große Teile des heutigen Münsterlandes. Aus feinen Sandablagerungen, die sich am Meeresboden absetzten und sich im Laufe der Zeit verfestigten, entstand das Gestein, das wir heute als Baumberger Sandstein kennen. Typisch sind seine helle, gelblich-beige bis graue Färbung sowie seine feinkörnige, vergleichsweise weiche Struktur.
Diese Eigenschaften machten den Baumberger Sandstein über Jahrhunderte hinweg zu einem begehrten Baustoff. Er ließ sich gut bearbeiten und eignete sich sowohl für massive Bauwerke als auch für feine Details. Besonders für Skulpturen und bildhauerische Arbeiten ist er sehr gut geeignet. Bei fachgerechter Verarbeitung erweist sich der Baumberger Sandstein zudem als haltbar und dauerhaft, wie zahlreiche historische Bauwerke und Kunstwerke bis heute eindrucksvoll belegen.
Ein herausragendes Beispiel in Billerbeck ist der Ludgerus-Dom, der das Stadtbild weithin sichtbar prägt. Große Teile seiner Bausubstanz sowie viele architektonische Details bestehen aus Baumberger Sandstein. Auch im Umfeld des Doms, an Mauern, Treppenanlagen, Bildstöcken und Grabmalen, ist der Naturstein allgegenwärtig. Er prägt nicht nur einzelne Bauwerke, sondern den historischen Charakter der Stadt insgesamt. Auch das Rathaus und die alte Mädchenschule sind aus diesem Material gebaut.
Der Abbau des Baumberger Sandsteins erfolgte traditionell in den Baumbergen, insbesondere im Raum Billerbeck, Havixbeck und Nottuln. Über lange Zeit war der Steinbruchbetrieb ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und sicherte vielen Familien Arbeit und Einkommen. Steinmetze und Bildhauer aus der Region entwickelten ein hohes handwerkliches Können, das weit über das Münsterland hinaus geschätzt wurde.
Auch heute noch sind Steinbrüche in Betrieb, in denen Baumberger Sandstein gewonnen wird. Der Naturstein wird weiterhin für die Restaurierung historischer Bauwerke verwendet. Auch künstlerische Arbeiten, oft Kopien alter abgängiger Kunstwerke, entstehen. Im Bereich der Neubauten wird er immer wieder für Fenstergewände, Fassadenabschnitte, Treppen oder Fußböden verwendet. Damit ist das „Gold des Münsterlandes“ nicht nur Teil der Geschichte, sondern auch ein lebendiger Bestandteil der Gegenwart.
Die besondere Bedeutung des Baumberger Sandsteins ist heute auch touristisch erlebbar. Die Baumberger Sandsteinroute verbindet wichtige Orte, Bauwerke und ehemalige Steinbrüche in der Region. Sie führt unter anderem durch Billerbeck und macht die enge Verbindung von Geologie, Kulturgeschichte und Landschaft für Besucherinnen und Besucher anschaulich erfahrbar.
Neben seiner baulichen und künstlerischen Bedeutung prägt der Baumberger Sandstein auch die Landschaft rund um Billerbeck. Viele aufgelassene Steinbrüche haben sich zu wertvollen Lebensräumen für Pflanzen und Tiere entwickelt und stehen teilweise unter Naturschutz oder dienen als Orte der Erholung und Umweltbildung.
Gleichzeitig stellt der Baumberger Sandstein die Denkmalpflege vor besondere Herausforderungen. Regen, Frost und Umwelteinflüsse können das Material angreifen, weshalb regelmäßige Pflege und fachgerechte Restaurierung notwendig sind. Dennoch bleibt er unverzichtbar für den Erhalt des historischen Stadtbildes.
Der Baumberger Sandstein ist damit weit mehr als ein Baustoff. Für Billerbeck ist er ein prägendes Element von Geschichte, Handwerk, Architektur und Identität. Als „Gold des Münsterlandes“ verbindet er Vergangenheit und Gegenwart und bleibt ein wertvolles Erbe für kommende Generationen.
Text: Marion und Bernd Dirks / 2026