Nach einer erfolgreichen Steinkauz-Exkursion in Gerleve fanden sich wieder viele Teilnehmer zu einer Veranstaltung des Heimatvereins Billerbeck erneut in Gerleve zusammen. Bei dem breiten Spektrum der Formate stand ein Besuch des Gartens des Klosters auf der Agenda.
Neben den Gemäuern dieses Klosters liegt ein Schattengarten unter hohen Bäumen. „Wo viel Schatten ist, ist auch viel Licht“ – dieses Zitat des deutschen Dichters Johann Wolfgang von Goethe widerspiegelt, dass Gegensätze wie Licht und Schatten untrennbare Teile eines Ganzen sind. Genau dies verdeutlichte der Rundgang mit Pater Kilian Röhl, der diesen Garten gestaltet und pflegt. Unter den alten Bäumen, etliche Buchen, bilden Gehölze das Gerüst des Gartens und schaffen Schattenbereiche. Die üppigen, oft dunkelgrün oder sogar schwarz-rot schimmernden Blätter der Gehölze fangen das wenige direkte Licht ein. Die Blumen und Gehölze, die hier gedeihen, sind solche, die Schatten lieben bzw. vertragen.
Trotz des unbeständigen Wetters und kurzer Regenschauer verstand Pater Kilian es in seiner begeisterungsfähigen Art, den Aufbau und die Besonderheiten des Gartens den Teilnehmenden näherzubringen. Der Pater der Landschaftsgärtner ist hat so manche Samen aus botanischen Gärten mit nach Gerleve gebracht, sodass eine außergewöhnliche Vielfalt entstand. Einen großen Stellenwert nehmen seine unterschiedlichen Funkienarten ein, die in Töpfen gepflanzt den Wegesrand säumen. Gerne gibt er auch mal Stauden ab, doch er mag es verständlicherweise nicht, wenn sich jemand selbst bedient!
Sogar der sonst so von vielen verhasste Giersch findet bei Pater Kilian Platz in Töpfen. Allerdings handelt es sich hierbei um den panaschierten Giersch, der mit seinem schönen Blattwerk überzeugt.
Die unterschiedlichen Gewächse, die sich durch Aussehen, Geruch und Geschmack besonders darstellten, ließen die Teilnehmer staunen. Da die Sonne nicht schien, war die besondere Magie dieses schattigen Gartens, in dem das Licht gebrochen und gefiltert wird, leider nicht so sehr erlebbar.
Doch mit seiner leidenschaftlichen Art für diesen Ort und die Natur schien die Sonne in gewisser Weise von diesem Pater auszugehen, der gerne Besucher in seinem Garten empfängt. Daher gilt ihm, Pater Kilian, ein herzliches Dankeschön für diesen inspirierenden Einblick in eine Welt, in der sich Licht und Schatten umarmen.
Nach der Besichtigung des Gartens gab Monika Stockmann, Gästeführerin und Vorsitzende des Heimatvereins, den Besuchern einen Einblick in die Geschichte des Klosters und seine Entstehung. Die Ursprünge des Klosters reichen bis in das ausgehende 19. Jahrhundert zurück. Bei der Einweihung des Billerbecker Ludgerusdoms trafen die Geschwister Wermelt, die in Gerleve einen Hof führten und kinderlos waren, auf den Abt von Beuron. Sie gewannen ihn für die Idee, auf ihrem Land eine Benediktinerabtei zu gründen. So vermachten sie ihren gesamten Besitz für die Klostergründung, und im Jahr 1899 wurde das Kloster schließlich durch die Erzabtei Beuron im Donautal offiziell ins Leben gerufen. Innerhalb weniger Jahre entstanden bis 1904 die Abteikirche sowie der Westflügel, deren Baupläne auf den Architekten Wilhelm Rincklake zurückgingen. Bereits im Jahr 1904 erhielt das Kloster den Status einer Abtei.
Zum Abschluss hatten die Besucher noch die Möglichkeit, dem Gebet der Mönche beizuwohnen, was einige wahrnahmen. Resümierend zeigt ein solcher Tag einmal mehr, wie Spiritualität, Kultur, Natur und Geschichte in Gerleve auf besondere Weise zusammenfinden.