Heimatverein Billerbeck
bewahren und beleben

Fol­ge dem Fluss – Lebens­ader Berkel

In einer Ein­sat­te­lung der Baum­ber­ge an den west­li­chen Hän­gen in einem Wald­stück der Bau­ern­schaft Dör­holt ent­springt die Ber­kel. Nord­west­wärts flie­ßend erreicht sie die Bau­ern­schaft Holt­hau­sen am Stadt­rand von Bil­ler­beck, wo sich wei­te­re star­ke Quel­len befin­den. Hier sind die offi­zi­el­len Ber­kel­quel­len aus­ge­wie­sen, da sie mehr Grund­was­ser zu Tage för­dern. In dem Gebiet gibt es einen nicht immer was­ser­füh­ren­den klei­nen „Wei­her”, der zum Ver­wei­len einlädt.

Drei sehr attrak­ti­ve Quel­len befin­den sich am Hang­fuß einer auf­ge­schich­te­ten Sand­stein­bö­schung nahe eines klei­nen „Rest­tei­ches“ des Holt­hau­ser Tei­ches (Ber­kel­quell­teich).

Die­se kur­ze Film­se­quenz aus dem Jah­re 2021 zeigt die neu ange­leg­ten Fließ­we­ge und die gut hör- und sicht­ba­ren Quell­aus­trit­te, die sich am Hang­fuß der nörd­li­chen Sand­stein­bö­schung befinden.

 

Bir­git Ste­phan  (Natur­schutz­zen­trum Kreis Coes­feld e.V.) hat in einem  Moni­to­ring­be­richt die Emp­feh­lung aus­ge­spro­chen, über den öffent­li­chen Weg von Nor­den her eine Zuwe­gung zu die­sen attrak­ti­ven Quel­len zu ermöglichen.

In den Som­mer­mo­na­ten sind die ande­ren Quel­len im Rest­teich schlecht sicht­bar, wegen des ungüns­ti­gen Flä­chen­vo­lu­men­ver­hält­nis­ses, der hohen Nähr­stoff­ein­trä­ge und der damit ein­her­ge­hen­den Algen­bil­dung. Aus die­sen Grün­den soll­te man Frau Ste­phans Emp­feh­lung sinn­vol­ler­wei­se folgen!

In längst ver­gan­ge­nen Zei­ten war der Ber­kel­quell­teich von gro­ßer Bedeu­tung für die Ver­sor­gung der Was­ser­müh­len. Im Ver­lauf der Jahr­hun­der­te ist der ursprüng­lich künst­lich ange­leg­te groß­flä­chi­ge Teich immer mehr ver­klei­nert wor­den und wahr­schein­lich wird er im Lauf der Zei­ten verlanden.

Vom „Quell­teich“ und den im Jahr 2019 neu ange­leg­ten Fließ­we­gen aus, ver­läuft der klei­ne Fluss ent­lang des Auen­wal­des. Die­ses Wald­stück­chen, das zwi­schen den bei­den Ber­kel­ar­men („Alte u. Neue Ber­kel“) liegt, ist über vie­le Jahr­zehn­te ent­stan­den. Auf die ehe­mals dort weit­läu­fig vor­han­de­nen Feucht­wie­sen, teil­wei­se mit Erlen­auf­wuchs, wur­de (Boden) Mate­ri­al auf­ge­schüt­tet und Anfang der sech­zi­ger Jah­re zu gro­ßen Tei­len mit Hybrid­pap­peln auf­ge­fors­tet. In den neun­zi­ger Jah­ren, nach einem sehr schwe­ren Unwet­ter (Wind­ho­se), das gro­ße Flä­chen des Baum­be­stan­des umstür­zen ließ, wur­den dar­auf­hin zudem noch Eschen angepflanzt.

Am Ende des aus natur­schutz­fach­li­cher Sicht wert­vol­len Auen­wal­des befin­det sich die ehe­ma­li­ge Bil­ler­be­cker Bade­an­stalt (1924–1960), die mit dem Was­ser der „Neu­en Ber­kel“ gespeist wird. Das Was­ser aus dem Teich, der seit Jahr­zehn­ten nun als Angel­teich dient, fließt in den alten Ber­kel­arm, der von Streu­obst­wie­sen aus kom­mend bis hier­her ver­läuft. Unter­halb des nahe­lie­gen­den Stau­wehrs ver­eint sich die­ser Fluss­arm mit der „Neu­en Ber­kel“ vom Quell­teich kom­mend, in Möl­le­rings Furt. Die­se ist übri­gens die ein­zig erhal­te­ne, noch tat­säch­lich genutz­te Furt durch die Berkel.

Dem Hof Möl­le­ring, namens­ge­bend für die Furt, sowie den Möl­le­rings-Hügel, wur­de die War­tung des Stau­werks und das Betä­ti­gen der Schleu­sen über­tra­gen. Es dien­te zum Betrieb der Müh­le in der Stadt. Jähr­lich wur­den die­se Arbei­ten mit 10 Mark entlohnt.

Vom Orts­rand aus, zunächst eini­ge Gär­ten pas­sie­rend, führt der Weg ent­lang der Ber­kel in die Nähe der Kol­ven­burg, einer ehe­ma­li­gen Was­ser­burg, die seit dem 13. Jahr­hun­dert Wohn­sitz nie­de­rer Adels­fa­mi­li­en war.

Die Kol­ven­burg dient mitt­ler­wei­le mit wech­seln­den Aus­stel­lun­gen und Ver­an­stal­tun­gen dem Kreis Coes­feld als Kul­tur­zen­trum.

Nahe die­sem Stand­ort wur­de die Ber­kel Mit­te des 15. Jahr­hun­derts umge­lei­tet und an ande­rer Stel­le ein­ge­staut, um eine Müh­le betrei­ben zu können.

Im Zuge des Ber­kel­au­en­kon­zep­tes des Lan­des NRW wur­de von 2007 bis 2008 der schon seit Jahr­hun­der­ten in ein „künst­li­ches Beton­bett“ gezwäng­te Fluss auf­ge­teilt und ein Abschnitt der Ber­kel als „Haupt­strom“ wie­der in die tiefs­te (his­to­ri­sche) Stel­le des Tals inmit­ten der Auen­wie­sen gelegt.

Das war nicht nur in Hin­blick auf Hoch­was­ser­schutz eine wert­vol­le Maß­nah­me, son­dern ins­be­son­de­re eine struk­tu­rel­le Ver­bes­se­rung zur För­de­rung von Flo­ra und Fau­na des Gewässers.

Denn von der Bil­ler­be­cker Quel­le bis Vre­den ist die Ber­kel mit den angren­zen­den Auen­flä­chen auf ca. 64 Kilo­me­tern Län­ge des Fließ­ge­wäs­sers als FFH- (Natur) Schutz­ge­biet aus­ge­wie­sen. FFH-Richt­li­nie, Natu­ra 2000-Nr. DE-4008–301.

Ab der Auf­tei­lung führt der Teil­strom der auf­ge­stau­ten Ber­kel an der „Alten Ger­be­rei“ vor­bei, die Ende des 19. Jahr­hun­derts von der jüdi­schen Fami­lie Mey­er-Ben­dix nebst Wohn­haus errich­tet wurde.

1995 erfolg­te für das Gebäu­de ein Ein­trag in die Denk­mal­lis­te der Stadt Billerbeck.

Wei­ter nimmt das Was­ser sei­nen Weg dann unter einer Brü­cke her, an Wie­sen vor­bei in einen klei­nen auf­ge­stau­ten Teich, der auch als Müh­len­teich (Feu­er­wehr­teich) benannt wird. An die­sem Ort stand eine ehe­ma­li­ge bischöf­li­che Müh­le die bis ins Jahr 1968 von der Mül­ler­fa­mi­lie Wil­de betrie­ben und nach eini­gen Jah­ren Leer­stand 1971 abge­ris­sen wur­de. Im Mau­er­werk am Stau­wehr befin­det sich ein Stein, der einem umfang­rei­chen „Wie­der­auf­bau“ der Müh­le 1717 ent­springt, mit Jah­res­zahl und Initia­len des dama­li­gen Bischofs.

Der Stein ist heu­te noch zu sehen, lei­der stark verwittert.

Im Jahr 1999 wur­de ein neu­es Mühl­rad an die­ser his­to­ri­schen Stel­le ein­ge­baut. Gemein­sam haben der Hei­mat- u. Ver­kehrs­ver­ein sowie der Ver­ein der Gar­ten – und Blu­men­freun­de dies mit einer Schen­kung an die Stadt Bil­ler­beck ermöglicht.

An dem Teich, wo frü­her auch das alte Haus des Mül­lers stand, befin­det sich eine Sta­tue des hei­li­gen Johan­nes von Nepo­muk, der im 14. Jahr­hun­dert in Prag leb­te. Der hei­li­ge Nepo­muk soll Schutz gegen Hoch­was­ser bieten.

Erwäh­nens­wert ist an die­sem Punkt noch der stadt­ge­schicht­lich bedeu­ten­de und lan­ge in Zusam­men­hang mit dem Müh­len­be­trieb ste­hen­de ehe­ma­li­ge Richt­hof der von einer Gräf­te, umge­ben hin­ter dem Müh­len­teich liegt. Das jet­zi­ge Wohn­haus hat laut Ein­trag in der Denk­mal­lis­te Bestand seit 1820.

Am Mühl­rad unter­halb des Stau­wehrs wei­ter flie­ßend, pas­siert die Ber­kel eine Unter­füh­rung und nimmt ihren Lauf vor­bei an dem geschicht­lich wert­vol­len Jüdi­schen Fried­hof, über des­sen Grä­bern ein Wind der Erin­ne­rung weht.

Die bei­den zuvor auf­ge­teil­ten Abschnit­te der Ber­kel flie­ßen, kurz vor einer für ein Bau­ge­biet neu errich­te­ten Brü­cke, an der Annet­te­stra­ße / Oster­wi­cker Stra­ße wie­der zusammen.

Stadt­aus­wärts schlän­gelt sich die Ber­kel dann wei­ter durch die Bau­ern­schaf­ten Ost­hel­len und Lutum in Rich­tung Coes­feld. Über Gescher, Stadt­lohn und Vre­den erreicht sie nach knapp 70 Kilo­me­tern die Gren­ze zur nie­der­län­di­schen Pro­vinz Gel­der­land. Da Flüs­se kei­ne Gren­zen ken­nen, fließt sie wei­ter über Eiber­gen, Bor­cu­lo, Lochem und Almen nach Zut­phen, wo sie nach einer Stre­cke von 114,6 Kilo­me­tern in die Ijs­sel, dem öst­li­chen Arm des Rhein­del­tas, mündet.

Schö­ne Land­schaf­ten und kul­tur­his­to­ri­sche Sehens­wür­dig­kei­ten prä­gen die Ber­kel auf ihrem Weg von der Quel­le in Bil­ler­beck bis zur Mün­dung in die Ijssel.

Wer noch ger­ne Wis­sens­wer­tes zum The­ma Ber­kel, der Land­schaft, den Initia­ti­ven sowie Städ­te ver­bin­den­de Pro­jek­te erfah­ren möch­te, hat die Mög­lich­keit dazu mit fol­gen­den Links:

Tipp 1: Rund um die Ber­kel (deutsch/niederl.)

„Alles über die Ber­kel und das Ber­kel­tal, von Bil­ler­beck bis Zutphen”

Alles over de Ber­kel en het Ber­keld­al, van Bil­ler­beck tot Zutphen”

Tipp 2: Lesens­wert auch das Gedicht „Ber­kel­ge­sich­ter“, aus dem Jahr 2011 von Herrn Dr. Ger­hardt Lau­köt­ter, der bis zu sei­ner Pen­sio­nie­rung Dezer­nent für Natur­schutz­fort­bil­dung bei der Natur- und Umwelt­schutz-Aka­de­mie NRW (NUA) mit den Schwer­punk­ten Was­ser und Boden war.

Tipp 3: Berkelfestival

Das jähr­li­che Ber­kel­fes­ti­val fei­ert die attrak­ti­ve Land­schaft, die leben­di­gen Städ­te und die viel­fäl­ti­ge Kul­tur ent­lang des Flusses.”

Text + Film: Mer­ce­des Lanio | 2022